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OSTTHÜRINGER ZEITUNG, 2012-02-01. Von Thomas Stridde Jena.

"Ein bisschen zweigeteilt". – So hat gestern Dr. Dieter Taubert (60) seine Gefühle beschrieben bei der Übergabe des Geschäftsführer-Staffelstabes der Jenapharm GmbH & Co. KG an Dr. Michael Raps. Der 51-jährige Mediziner hat Jahrzehnte Erfahrung im Pharmageschäft, war bei der mittlerweile im Leverkusener Bayer-Konzern integrierten Berliner Schering-Gruppe als Produktmanager tätig und führte von 1998 bis 2003 die Geschäfte der Schering-Tochter auf den Philippinen. Als Leiter der Marketingorganisation für Frauen-, Männer- und Hauterkrankungen bei Bayer habe er Jenapharm bereits "kennen- und schätzen gelernt", sagte der aus dem Fränkischen stammende Raps, der nun mit seiner Familie Wohnsitz in Erfurt nimmt.
Weshalb Dieter Taubert "ein bisschen zweigeteilt" ist: Nach seinen gut 32 Jahren Jenapharm und zwischenzeitlich sieben Jahren in Führungstätigkeiten bei Schering und Bayer habe sich das Jenaer Unternehmen von der vollständigen Pharmafirma zur reinen Marketing- und Vertriebs-Tochter von Bayer entwickelt. Taubert sieht aber beste Anzeichen dafür, dass Jenapharm sich in Deutschland »als führendes Unternehmen in Belangen der Frauengesundheit behauptet«. Dafür sprächen allein die Marktzahlen des Vorjahres – bei der "Pille" sicherte sich Jenapharm mit einem Marktanteil von 32,4 Prozent wieder klar den größten Anteil. Und immer noch im Vorjahr auf Absatz-Platz 1 etabliert: das Jenapharm-Präparat "Valette".
Wie Michael Raps betonte, wird konzernintern die Gesamtverantwortung des Ressorts Frauengesundheit in Jena liegen. Alle Belange der »Pille«, der Menopausen- und der gynäkologischen Therapie seien hier konzentriert. "Jenapharm am Ende? – Das Gegenteil wird der Fall sein", sagte Taubert, der das auch auf Präparate der neuen Geschäftsfelder Männergesundheit und Dermatologie bezog. 205 Mitarbeiter sind derzeit bei Jenapharm beschäftigt. Deren 27 waren in dem zum Jahresende geschlossenen Entwicklungsbereich tätig. Dass der international branchenüblichen Konzentration von Forschung und Entwicklung der Standort Jena zum Opfer fiel, "das war für uns schwer". Im Schnitt müsse man mit 800 Millionen Euro Kosten für die Entwicklung eines Präparats innerhalb von zwölf Jahren rechnen. Bei solch einem Kostendruck muss man zentralisieren. "Nachweinen nützt nichts", sagte Dieter Taubert. Es lohne zu kämpfen, dass Jenapharm als Vertriebsgesellschaft erhalten bleibt. "Man hätte es sich ja auch leicht machen können. – Alles nach Leverkusen."