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Lokales Jena, OTZ, 18. Mai 2010
Heute vor 50 Jahren kam die Antibabypille in Amerika auf den Markt. Seitdem erlebte sie einen Siegeszug: Sie ist in den Industrienationen das am häufigsten eingenommene Mittel zur Verhütung einer Schwangerschaft. Auch Jenapharm hat einen erheblichen Teil vom Erfolg der Pille abbekommen.
Jena. Jenapharm ist auf dem deutschen Markt für orale Kontrazeptiva mit einem Anteil von 32 Prozent klarer Spitzenreiter. Allein 20 Prozent entfallen auf das Jenaer Produkt "Valette" eine Pille, die für gute Hautverträglichkeit bekannt ist. Seit 1995 ist die Nummer eins unter den Pillen auf dem Markt.
Auch Jenaer Frauenärzte verschreiben "Valette" gern. "Grundsätzlich erfüllt sie natürlich ihre Hauptaufgabe: Sie verhütet zuverlässig. Doch die Nebeneffekte sind ebenfalls positiv", sagt Frauenarzt Dr. Wolfgang Reiber. Deshalb verschreibe er die "Valette" besonders bei Frauen mit Hautproblemen. Auch Dr. Karen Lisaus ist überzeugt von der hautverbessernden Wirkung der Jenaer Pille. "Zudem nimmt durch die Pille die Menstruation in ihrer Stärke ab, was dazu führt, dass die Schmerzen geringer werden." Dr. Wolfgang Reiber weist zudem darauf hin, dass man mit "Valette" die längste Erfahrung mit der so genannten Langzykluseinnahme habe. Dieses "Durchnehmen" der Pille sei besonders für Frauen mit negativen Folgen der Regelblutung wie etwa Migräne geeignet. "Dann haben die Frauen wenigstens nur zweimal im Jahr diese Beschwerden."
Doch auch wenn bei den beiden Jenaer Frauenärzte ein gewisser Lokalpatriotismus mitschwingt die Jenapharm-Pille wird verschrieben, "weil es ja auch die einzige ihrer Art ist", wie Dr. Karen Lisaus sagt. Die Gestagen-Komponente ist nämlich einzigartig: "In den 80ern wurde das synthetische Gestagen Dienogest in Jena entwickelt", sagt Dr. Thomas Gräser, Leiter der Arzneimittelsicherheit bei Jenapharm. Diese Jenapharm-Entwicklung ist es, die der Pille jene positiven Nebeneffekte gibt. Das Gestagen sei auch in einem Präparat für Wechseljahrbeschwerden hilfreich. Doch Jenapharm ruht sich auf ihrer "Valette" nicht aus: In Planung ist eine Kombination der Pille mit Folsäure. Geeignet sei sie für Frauen, die einen prinzipiellen Kinderwunsch haben. Die Idee ist folgende: Setzt die Frau jene Folsäuren-Pille ab, hat sie den notwendigen Spiegel des Vitamins schon in sich. Folsäure ist wichtig für die gesunde Entwicklung des Babys und beugt bestimmten Fehlentwicklungen vor. Somit kann die Zukunftsmama sicher sein, dass beim Kinderwunsch dann alles schnell gehen kann. Ob die jüngere Schwester von "Valette" bei den Damen ebenso gut ankommt, wird sich zeigen.
Stefanie Bühlchen / 17.08.10 / TLZ